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tafel6a"Einige Granitberger gibt es, gewöhnlich Bruchsteine genannt; nur wenige Steinmetze bearbeiten diese einzeln zu Viehbarren, Grabsärgen und Bausteinen". Den Anstoß zu einer größeren Nutzung der Granitlagerstätten im Raum Vilshofen gab leztlich der Bahnbau Linie Regensburg - Passau, die 1860 eröffnet wurde.

 

Bedeutende Granitindustrie im Vils-Engtal

Joseph Rutschmann (1813 - 1874), seit 1849 Stadtschullehrer in Vilshofen, erkannte schnell die wirtschaftliche Bedeutung des Eisenbahnbaus. Schon 1856 begann er mit 17 Taglöhnern in Wieshof, einem kleinen "Sacherl" in der Nähe des heutigen Ausflugsziels "Sechssessel", "Seinmateriel zu verwerthen". 1858 kaufte er weitere Granitvorkommen in Sollasöd und Mühlham im Vilstal und produzierte dort Großpflastersteine, die vor allem nach München, aber auch nach Landshut, Freising, Ingolstadt und Augsburg, geliefert wurden. 1866 arbeiteten schon etwa 200 Steinhauer, 80 Tagelöhner und zwanzig Schmiede ("bei sieben Feuern") nebem einem "Conrolleur" und einem Verwalter sowie Zuarbeiter wie Zimmerer, Furhleute und Hilfskräfte in den Steinbrüchen im Vils- Engtal. Zum Materialtransport entstand ein umfangreiches Industriebahnnetz beiderseits der Vils. Sogar eine Brücke bei Mühlham wurde dafür errichtet.

 

Infotafeln1.3Unternehmer investieren in eine Boombranche

Ab 1866 expandierte - bei wechselnden Teilhabern - die Granitfirma, kaufte weitere Lagerstätten an der Vils aber auch in Metten und Fürstenstein hinzu und firmierte nunmehr unter der Bezeichnung "Granit-Gesellschaft Vilshofen". 1870 erreichten Belegschaft und Auftragsbestand - zunächst gedämpft durch den deutsch-französischen Krieg 1870/71 - einen Höhepunkt; weitere Steinbearbeitungswerkstätten wurden gebaut, neue Schmiedfeuer brannten, eine zweite Gastwirtschaft bei der Grafenmühle wurde eingerichtet. Die Hauptblütezeit der Granitindustrie ist sicherlich zwischen 1895 und 1915 anzusetzen, waren doch in diesem Zeitraum die meisten Einzelbrüche, insegesamt 16, gleichzeitg im Betrieb, die durchschnittlich 5000 Waggonladungen Steinmaterial im Jahr produzierten. Schon ab 1901 modernisierte die Bayerische Granit AG das gesamte Werk Vilshofen. Sie installierte unter anderem 20 neue Steinspalthämmer.

 

tafel1aEine Ära geht nach fast 100 Jahren zu Ende

Während und nach dem 1. Weltkrieg wurde die Arbeit zeitweise eingestellt, in der Folge wurden die Steinbrüche nach und nach stillgelegt. Als letzter Bruch wurde schließlich 1943 der Kalvari-Bruch gegenüber der heutigen Taferlkapelle aufgegeben. Im Laufe von Jahrzehnten eroberte sich darauf in die Natur das Vils-Engtal wieder zurück. Fast völlig ungestört konnte sich so in den verschiedenen Lebensräumen eine besonders artenreiche Flora und Fauna entwickeln. 1997 wurde das Gebiet schließlich unter Naturschutz gestellt.

 

Die im Vils-Engtal beteiligten Granitgesellschaften

1861 "Granit-Gewerkschaft Vilshofen": Joseph Rutschmann
1866 "Granit-Gesellschaft Vilshofen"
1873 "Schärdinger Granit AG"
1877 "Normann'sche Granitwerke Passau"
1888 "Bayerische Granit AG Regensburg"

 

 

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